Investigativer Journalismus

Journalismus in den öffentlich-rechtlichen Medien muss sowohl stabil unabhängig als auch personell und finanziell hervorragend ausgestattet sein, denn seine Aufgabe ist es, sowohl der mittlerweile überwältigenden professionellen Kommunikationsmacht großer, internationaler Konzerne entgegenzutreten, als auch der strukturellen Intransparenz staatlicher Institutionen.

Ein aktuelles Beispiel für ersteres sind die erfolgreichen Vertuschungsversuche der US-amerikanischen chemischen Industrie über die massive Schädlichkeit der Stoffgruppe PFOA oder C8, die in Produkten wie Teflon oder Gore-Tex mittlerweile in praktisch allen Haushalten verbreitet ist. Für den zweiten Fall muss man nur an die von Edward Snowden bekannt gemachten Geheimdienstaffären erinnern.

Besonders dramatisch wird es bei Prozessen wie den Verhandlungen um die großen sogenannten Freihandelsabkommen TPP und TTIP, bei denen Verhandlungsparteien von beiden Seiten, sowohl die Lobbyistengruppen der internationalen Wirtschaft, als auch die involvierten nationalen Akteure fundamental antidemokratische Weichenstellungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandeln.

Hier bedarf es also journalistischer Akteure, die systematisch und unabhängig von den Aufs und Abs eines kommerziellen Medienmarktes die relevanten gesellschaftlichen Prozesse kritisch beobachten.

Bislang lösen die bestehenden Public Service Media diesen Anspruch selten ein, wenn überhaupt je. Die Teflon-Affäre wurde von Glenn Greenwalds Onlinemagazin Intercept aufgedeckt. Und auch in der Geheimdienstaffäre haben sich Edward Snowden und sein journalistischer Gewährsmann Glenn Greenwald nicht an die ARD oder BBC gewandt, sondern zunächst an einige der letzten halbwegs vertrauenswürdigen privaten Medienhäuser, an den Guardian, die Washington Post und die New York Times.

Darüber hat sich Charlotte Higgins für ihr BBC-Portrait „This New Noise“ (2015) mit dem ehemaligen Nachrichtenchef der BBC Richard Sambrook unterhalten. Seine Einschätzung:

„If Edward Snowden hat contacted Panorama or Newsnight, could they have done what the Guardian did? No. No, they couldn’t. They might have been able to do a piece at a metalevel, a headline level, but they could not have done what the Guardian did with Snowden. I find it uncomfortable to say that but it’s the truth. So what does that tell you about the BBC? It tells you that in the end there is a limit to its independence – some would call that public accountability.“

Das zeigt, wie schwer es ist, Public Service Media wirklich staatsunabhängig aufzustellen. Es sollte uns nicht daran hindern, dies zu versuchen.