Internet, Social Media und die Rückkehr des Politischen in China

Mein Vortrag von der re:publica 11 ist seit einiger Zeit im Videomitschnitt online:


Dazu ein paar Updates:

  • In den letzten Tagen ist viel über den Vorstoß des großen Portalbetreibers Sina.com diskutiert worden, seinen erfolgreichen Microblogdienst Sina Weibo gegen Ende des Jahres auch mit einem englischsprachigen Interface anzubieten. Sina Weibo hat eine reichere Funktionalität, um die manche Twitter-Nutzer ihre chinesischen Freunde beneiden (ich hatte es im Vortrag als „Twitter auf Speed“ bezeichnet).

    Dennoch wird mit guten Gründen bezweifelt, dass ein englischsprachiges Sina Weibo Twitter ernsthafte Konkurrenz machen wird – zumindest in den freiheitlich orientierten westlichen Demokratien. Denn obwohl die Plattform im chinesischen Internet ein Hort verhältnismäßig freier Meinungsäußerung ist, unterliegt sie natürlich der strikten Kontrolle, die das gesamte chinesische Internet auszeichnet. Wie es in der Ankündigung heißt, wird der Dienst „den chinesischen Vorschriften unterworfen sein“. Und wer möchte schon ohne Not bei der Suche nach interessanten Beiträgen andauernd lesen: „Because of relevant laws, regulations and policies, these search results cannot be displayed.“

    Aber vielleicht trägt der Vorgang ja zum wechselseitigen Lernen bei: Die chinesischen Behörden lernen aufs Neue, dass ihr restriktives Vorgehen international auf wenig Anklang stößt, und die Macher von Twitter lernen, wie man seinen Microblogging-Dienst zeitgemäß funktional aufrüstet.

  • Heute ist der 21-jähriger Musikstudent Yao Jiaxin hingerichtet worden, der nach einem Verkehrsunfall eine 28-jährige Radfahrerin mit mehreren Messerstichen ermordet hatte. Yao hatte ein Berufungsverfahren vor dem Obersten Volksgerichtshof verloren. Er hatte angegeben, in Wut geraten zu sein, weil die „Bäuerin“ (so seine Darstellung) die Nummer seines Autos notiert hatte, nachdem sie bei einer kleineren Carambolage vom Rad gestürzt sei.

    Obwohl Yao keiner besonders reichen oder mächtigen Familie entstammt, war sein Fall in der chinesischen Netzöffentlichkeit im Zusammenhang mit anderen (auch in meinem Vortrag angesprochenen) Fällen diskutiert worden, in denen Söhne reicher oder mächtiger Eltern durch Verkehrsunfälle oder andere Gewaltakte aufgefallen sind. In einem Fall hatte sich der Fahrer, Sohn eines einflussreichen Polizeioffiziers, bei seiner Festnahme angeblich mit den Worten „Mein Vater ist Li Gang!“ herauszureden versucht.

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