Die klugen Elsen

Heute morgen saß ich am Frühstückstisch und las mal wieder brav meine Süddeutsche Zeitung, die bei allerlei schönen Artikeln doch auch ein rechtes Käseblatt sein kann, insbesondere wenn es um Zukunftsmedien geht und nicht gerade Dirk von Gehlen die Feder führt. Heute bin ich bei meiner Lektüre auf folgende Grafik im Wirtschaftsteil gestoßen:

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Man schaue sich einmal diese Kurve mit den erwarteten Verkaufszahlen der E-Reader an! Bei einer solchen Prognose – sie kommt vom führenden Branchenorakel IDC – können die deutschen Verleger doch getrost in ihrer Schockstarre verharren. Schon im Jahr 2014 (woher weiß IDC das eigentlich?) wird der Verkauf von E-Readern zurückgehen und alle irregeführten jungen Leute, die heute vom Kindle oder vom iPad träumen, kehren wieder zum gedruckten Buch zurück! Da braucht man sich ja jetzt nicht zu bemühen, seine Bücher zu digitalisieren und zu halbwegs nachvollziehbaren Preisen auf den elektronischen Markt zu bringen.

Wenn ich dieser Tage wieder die führenden Köpfe der deutschen Verlagsbranche, egal ob Presse oder Buch, unterstützt von ihren Erfüllungsgehilfen in der Politik, über die digitalen Medien und die Zukunft reden höre, bin ich immer an das schöne, traurige Märchen der Brüder Grimm von der Klugen Else erinnert. Für diejenigen, die es nicht mehr präsent haben, hier noch einmal die entscheidende Szene im Keller:

‚Was für ein Unglück ist denn geschehen?, fragte Hans. ‚Ach, lieber Hans,‘ sprach die Else, ‚wann wir einander heiraten und haben ein Kind, und es ist groß, und wir schickens vielleicht hierher, Trinken zu zapfen, da kann ihm ja die Kreuzhacke, die da oben ist stecken geblieben, wenn sie herabfallen sollte, den Kopf zerschlagen, daß es liegen bleibt; sollen wir da nicht weinen?‘ ‚Nun,‘ sprach Hans, ‚mehr Verstand ist für meinen Haushalt nicht nötig; weil du so eine kluge Else bist, so will ich dich haben,‘ packte sie bei der Hand und nahm sie mit hinauf und hielt Hochzeit mit ihr.

PS: Ich kenne die IDC-Studie nicht, aber ich wage einmal die Behauptung, dass die Erwartung eines Einbruchs im Markt der E-Reader weniger damit zu tun hat, dass – wie es im Artikel heißt – die „Begeisterung sich legt“, als vielmehr damit, dass in absehbarer Zeit andere Geräte (Smartphones, Tablet-PCs) die Aufgabe dedizierter E-Reader übernehmen werden und diese somit endgültig überflüssig machen.

1 Kommentar

  1. Oder das einfach eine Marktättigung eingetrtetne ist – isehe Digitalkameramarkt. Denn wer weiss, ob das in der Grafik absolute verkaufte Stückzahlen sind, Marktwachstum, oder ob da halt dem Statisitker/Statisten nicht einfach der Kulli abgerutscht ist…

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