Wir brauchen mehr Watchblogs!

Zum Beispiel eines, das Merkwürdigkeiten wie diese protokolliert:

Die Bundeszentrale für politische Bildung, mein geliebter Ex-Auftraggeber, hat im April dieses Jahres im Rahmen ihres Journalistenprogrammes einen Workshop veranstaltet zum Thema: „Intelligenz im Supermarkt. Mit dem Einkaufswagen in die Zukunft“.

So weit so gut. Aber wenn man genauer hinschaut, folgender Hinweis: „In Kooperation mit der METRO Group“.

Metro Group??? Waren das nicht die … mit dem RFID Chip…?? Die kürzlich den Big Brother Award bekommen haben? Und die werden jetzt von einer Bundesbehörde vom Rang der Bundeszentrale für politische Bildung mit einer gemeinsamen Veranstaltung geadelt?

Da kann man nur den Hut ziehen: Herzlichen Glückwunsch, liebe Metro-PR! Das nennen wir erfolgreiches Issue-Management.

(Dank an berufenere Quellen für den Hinweis.)

6 Kommentare

  1. Verstehe ich nicht ganz. Geht es nicht darum, angesichts vorhandener Skandalisierung („Big Brother Award“) die RFID-Geschichte zurück in den Kontext positiver Alltagsutopie („Einkaufswagen der Zukunft“) zu stellen, und dies mit dem Segen einer quasi-offiziellen Kampagne (bpb)?

    Das ist doch ein klarer Fall von frühzeitigem Gegensteuern. So weit hatte sich das Thema ja noch nicht ausgebreitet, trotz der hervorragenden Aufklärungsarbeit der Foebud-Leute.

  2. > RFID-Geschichte zurück in den Kontext positiver Alltagsutopie … stellen

    Das könnte man so sehen. Von frühzeitigem Gegensteuern würde ich hier trotzdem nicht sprechen wollen.

    > Aufklärungsarbeit der Foebud-Leute

    Vielleicht wurden die Kritiker gezielt von Metro instrumentalisiert? Schließlich wurden die gechipten Metro-Kundenkarten im Rahmen einer offiziellen Führung an FoeBuD und Katherine Albrecht ausgegeben. Eine Entdeckung der RFID-Chips durch die Kritiker war für Metro vorhersehbar – und somit auch der Skandal. Außerdem sagte Metro-Sprecher Albrecht von Truchseß in einem Interview: „Die Diskussion um RFID ist uns wichtig. Selbst solche Negativpreise haben den Vorteil, dass die Anwendung dieser Technologie in den öffentlichen Fokus gerät. … Wir sammeln über RFID keine Kundendaten und stellen über diese Technologie auch keine Verbindung zwischen Kunden- und Produktdaten her.“ (Telemat.de 24.03.2004 http://www.telemat.de/magazin/artikeldetail.php3?mid=41&aid=618&r_id=14 )

    Weiteres Beispiel: Metro-Vorstand Mierdorf sagte der WirtschaftsWoche anfang des Jahres: „Spätestens in 15 Jahren werden wir [mit RFID-Funketiketten] alles automatisiert haben.“

  3. Vielleicht hat man nicht mit der technischen Kompetenz der Besucher gerechnet? Und das Mierdorf-Zitat lässt doch nicht auf eine „Skandalisierung“ schließen. Das ist einfach eine hoffnungsvolle Erklärung an die Investoren. RFID ist, um das einmal klar zu sagen, ja auch ein wirklich tolle Technologie. Bruce Sterling arbeitet das in seinem Münchner Vortrag vom Dezember letzten Jahres sehr schön heraus.

    http://www.iconic-turn.de/staticpages/index.php?page=StreamSterling

    Ich verstehe einfach nicht ganz, warum Metro Interesse an einer eher alarmistisch geführten Diskussion haben sollte.

  4. > Mierdorf-Zitat … hoffnungsvolle Erklärung an die Investoren.

    Das mag ein beabsichtigter Aspekt gewesen sein. Andererseits: Mierdorfs Zeithorizont („15 Jahre“) und die Totalität der Aussage („alles automatisieren“) spricht eher für ein anderes Zielpublikum. Außerdem zeichnet sich spätestens seit der doppelten Ankündigung der Deutschen Bank („Rekordgewinn“ und „Arbeitsplatzabbau“) ein Stimmungswandel in der öffentlichen Meinung ab. Verbunden mit der absehbaren RFID-Rationalisierungswelle verstehe ich diese Aussage somit als gezielte Provokation.

    > warum Metro Interesse an einer eher alarmistisch geführten Diskussion haben sollte.

    Es wäre doch zumindest denkbar, daß Metro gezielt auf Anschlußkommunikation setzt – zur Schonung des Marketingbudgets beispielsweise. Dann wäre der als Issue-Management erscheinende bpb-Workshop nur Teil einer langfristigen PR-Strategie.

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