Money Shot auf Ibiza

Die letzte Nacht brachte den 2017er FPÖ-Hack auf Ibiza an die Öffentlichkeit, der heutige Tag dann den Rücktritt von Neonazi Strache und die Ankündigung des ÖVP-Schnöselkanzlers Kurz, Neuwahlen anzustreben. Natürlich gibt es skeptische Stimmen: „Qui Bono“ (sic!) fragt zum Beispiel mal wieder Daniel Bröckerhoff, mein Freund Olaf Steenfadt argumentiert, dass (1) Leak-Journalismus nicht dasselbe sei wie investigativer Journalismus, dass es sich (2) hier aber nicht einmal um ein Leak bestehender Evidenz handele, sondern um eine planmäßige Kampagnen-Maßnahme, zwei Jahre nach dem Geschehen und wenige Tage vor der wichtigen Europa-Wahl.

Natürlich wirft die Aktion Fragen auf, die beantwortet werden sollten, insbesondere über die Wahl ihres Zeitpunkts. Aber Undercover-Maßnahmen wie die Falle, in die Strache und sein Spießgeselle Gudenus auf Ibiza gelockt wurden, gehören durchaus zum legitimen Recherche-Werkzeug des investigativen Journalismus, insbesondere bei der Aufdeckung krimineller Machenschaften. Entscheidend bei der Bewertung sollten vor allem Wahrheit und Tragweite des Aufgedeckten sein. Und wer wollte daran zweifeln?

Auch sind die Übergänge solcher Undercover-Aktionen zu Media-Hacks und politisch motivierten Kunstaktionen, wie wir sie beispielsweise von den legendären Yes Men oder dem Zentrum für politische Schönheit kennen, fließend. Das heißt, wir haben es hier auch mit einer gewissermaßen ästhetischen Dimension zu tun, einer Art Glanz der Enthüllung, der jenseits von Schadenfreude vielleicht die Befriedigung erklärt, die man angesichts der Aktion empfindet.