Schneeregen und re:publica

Noch einmal zieht etwas Kaltes, Nasses über uns hinweg, irgendwo aus Richtung Nordsee, Nordmeer. Man assoziiert gleich gischtumtoste Ölplattformen. Ungemütlich.

Die re:publica wird in diesem Jahr ohne mich stattfinden – nachdem das Programmkommittee zum zweiten Mal in Folge einen Themenvorschlag zu den Öffentlich-Rechtlichen abgelehnt hat. Diesmal wollte ich Bedingungen eines konstruktiven Reformdialogs aus Nutzersicht skizzieren. Ich könnte mir ehrlich gesagt derzeit kaum ein relevanteres Thema im Rahmen einer ‚re:publicanischen‘ Öffentlichkeit vorstellen. Wenn es nach mir ginge, hätte man die gesamte re:publica unter das Thema Public Value vs. Populismus stellen können. Stattdessen ist das Motto diesmal POP, ganz ungebrochen.

Aber es ist so eine Sache mit der Relevanz. Das kennen wir im Journalismus ja auch: Die Nachrichtenwerte kippen auch gerne in Richtung POPulismus, statt die gesellschaftlich anstehenden Fragestellungen abzubilden.

Ein Problem mit der re:publica ist der Wohlfühlfaktor. Die Veranstaltung ist irgendwie kuschelig gealtert. So wie sie über die Jahre gewachsen ist, kuscheln sich dort inzwischen natürlich andere Leute als am Anfang. Viel PR und Marketing hat sich eingenistet – was aus meiner Sicht vollkommen okay ist, solange der eigentliche, namengebende Fokus dabei nicht verloren geht.

Und bei den Medienthemen? In meinen Augen war es von Anfang an ein Fehler, diese in die Media Convention (MC) auszugliedern. Denn das ist keine primär zivilgesellschaftlich aufgestellte Zusammenkunft, sondern eine im Auftrag der Länder Berlin und Brandenburg organisierte Branchenmesse. Dort kommen die wichtigen Themen zwar auch irgendwann an, aber der ‚re:publicanische‘ Spirit überlebt den Weg in die dort primär vertretenen Ebenen (Chefetagen und Vertreter von Organisationen, Regierungsstellen, Unternehmen. etc.) eher selten.

So werden die BesucherInnen der MC zum Thema öffentlich-rechtlicher Rundfunk in diesem Jahr den Verlautbarungen des ZDF-Intendanten Thomas Bellut lauschen dürfen und in einer Podiumsdiskussion die Vizedirektorin der Schweizer SRG/SRR, die Intendantin des RBB und die Generaldirektorin des dänischen DR erleben. Immerhin, die Frauenquote wird eingehalten, das ist ja schon mal was.

Schade, ich hätte gerne wieder ein bisschen mitgemischt. Vielleicht müssen wir als BürgerInnen uns ja nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen zurückerobern, sondern auch die re:publica. Oder ich suche mir einfach andere Bühnen. Denn die Themen brennen, und es bleibt wenig Zeit. Mit einem geschätzten Kollegen habe ich kürzlich über die Kunst des souveränen Ausweichens gesprochen. Aber das ist das Thema für einen anderen Beitrag.

[UPDATE 29. März 2018] Doch keine Pause! Das Programmkommittee hat noch ein Plätzchen für die konstruktive Kritik an den öffentlich-rechtlichen Medien gefunden: Freitag 4.5. gegen Mittag: 2×30 min für den Volker Grassmuck und mich. @republica zurückerobert! 😉 #rp18

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