Random Books II

Vor ein paar Wochen hatte ich angekündigt, mir künftig meine Belletristik-Lektüre mit Hilfe der Zufallsfunktion meines E-Book-Readers zusammenstellen zu lassen. Kleine erste Zwischenbilanz: Im Prinzip ist das eine gute Idee. In der Praxis krankt sie daran, dass die rechtefreien Klassiker überwiegend aus einer Zeit des längeren Atems stammen, in der man Zeit für ungestörtes Lesen hatte. So komme ich nur recht langsam voran.

Meine erste Lektüre war mit Friedrich Glausers Matto regiert ein vergleichsweise modernes Buch, ein autobiographisch inspirierter Schlüsselroman über das Leben in einer Schweizer Psychiatrie-Klinik in den 30er Jahren, in Form eines Kriminalromans. Glauser ist ein phantastischer Schriftsteller, er schafft es, eine gewisse existenzielle Verwirrung zu vermitteln, die Irritationen in der Welt seiner Protagonisten nicht nur sichtbar, sondern unmittelbar erfahrbar zu machen. In Glausers Anstalt sind Insassen und Personal nicht von einander zu trennen, alle sind essentiell verstrickt und zerrissen. Als Krimi funktioniert das Buch nicht so gut, das wird insbesondere am Schluss mit seiner unbefriedigenden Auflösung der Geschichte deutlich. Glauser selbst hat das gesehen. Selbstkritisch schrieb er in einem Brief: „… der Schluss mit seinem Massacre ist übel, mehr als übel – er ist gepfuscht.“

Eingang des psychiatrischen Zentrums Münsingen, Schauplatz von „Matto regiert“

Als zweites Buch durfte ich Conrad Ferdinand Meyers Erzählungen lesen. Ein weiterer Schweizer, ebenfalls sozial inkompatibel und mit Psychiatrieerfahrung, ein halbes Jahrhundert früher. Ich habe mir ein paar bekannte historische Erzählungen ausgesucht, Die Hochzeit des Mönches, Gustav Adolfs Page, Angela Borgia und Plautus im Nonnenkloster. Trotz der erwartungsgemäß manchmal etwas hypertrophen, noch spätromantisch geprägten Sprache haben mir die Geschichten sehr gut gefallen. Meyer erzählt souverän, spannend und mit hohem Tempo, und erspart seinen Lesern jede moralische Bevormundung.

Leider ist Robert Walser noch nicht in der Public Domain. Deshalb wäre der nächste Autor vielleicht ein weiterer irrer Schweizer gewesen. Stattdessen gab es D. H. Lawrence mit Sons and Lovers, und damit stecke ich gerade fest. Es ist ohne Zweifel ebenfalls ein gutes Buch, aber es fesselt oder bezaubert mich (noch) nicht. Ich lebe momentan zu kurz getaktet, um die notwendige Geduld dafür aufzubringen. Vielleicht später mehr dazu.

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