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	<description>[bracketing the big topics]</description>
	<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 09:03:34 +0000</pubDate>
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		<title>Nach 18 Monaten</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 09:00:27 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Asia]]></category>

		<category><![CDATA[Declarations of Love]]></category>

		<category><![CDATA[Reports from Daily Clutter]]></category>

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		<description><![CDATA[Beijing ist sich treu geblieben. Laut, lebendig, ungeduldig. Ein paar luxuriöse Hochhauskomplexe sind neu entstanden, ein paar etwas ältere fangen bereits an abzublättern. Die Bulldozer haben keine Pause gemacht, die Bar-Meile östlich der neuen US-Botschaft hat dran glauben müssen, wo ich vor einigen Jahren meine ersten Froschschenkel nach Sichuan-Art unter giftig dunkelroten Chilischoten ausgegraben hatte. [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Beijing ist sich treu geblieben. Laut, lebendig, ungeduldig. Ein paar luxuriöse Hochhauskomplexe sind neu entstanden, ein paar etwas ältere fangen bereits an abzublättern. Die Bulldozer haben keine Pause gemacht, die Bar-Meile östlich der neuen US-Botschaft hat dran glauben müssen, wo ich vor einigen Jahren meine ersten Froschschenkel nach Sichuan-Art unter giftig dunkelroten Chilischoten ausgegraben hatte. Jetzt sind die Hutong-Quartiere nahe dem Gulou dran, dem imposanten Ensemble aus Trommel- und Glockenturm, einem der wenigen weithin sichtbaren Überbleibsel des alten imperialen China. Dort hatten meine deutschen Freunde T. und S. gewohnt, an einem kleinen Courtyard im Gassengewirr, überwiegend unter Chinesen, mit wenig Komfort. Ich kann verstehen, dass viele Chinesen keine besonders sentimentalen Bindungen gegenüber diesen Quartieren empfinden. Schade ist es trotzdem.</p>
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		<title>Ernte und Fragen</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 21:19:51 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Mind Works]]></category>

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		<description><![CDATA[In den letzten zwei Tagen gab es in Dieburg Diplomkolloquien. Kluge junge Leute mit leicht geröteten Ohren haben, mal selbstbewusst, mal eher schüchtern verteidigt, was sie in den letzten drei Monaten erarbeitet haben. Wir Lehrenden stehen dabei selbst immer mit auf dem Prüfstand. Gottseidank sind die Diplomanden meist viel zu aufgeregt, um das zu merken.

Ein [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>In den letzten zwei Tagen gab es in Dieburg Diplomkolloquien. Kluge junge Leute mit leicht geröteten Ohren haben, mal selbstbewusst, mal eher schüchtern verteidigt, was sie in den letzten drei Monaten erarbeitet haben. Wir Lehrenden stehen dabei selbst immer mit auf dem Prüfstand. Gottseidank sind die Diplomanden meist viel zu aufgeregt, um das zu merken.</p>

<p>Ein paar Fragen, die sich mir während der Gespräche aufgedrängt haben: Warum denken wir den Journalismus immer noch vor allem vom Angebot her und nicht vom Bedarf? Und warum lernen wir Online-Journalisten bei den Formaten immer noch vor allem vom Print, und so wenig vom Rundfunk? Warum gibt es zum Beispiel so wenig Studiogespräche? Bei meinen Besuchen in den großen chinesischen Portalredaktionen waren die TV-Studios ständig im Einsatz. Warum macht das in Deutschland kaum jemand?</p>
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		<title>Sonnenwende</title>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 20:59:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Senses]]></category>

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		<description><![CDATA[Dies sind die Nächte, in denen ich Hamburg vermisse: die Erfahrung, nach dem Kneipenbesuch ins Freie zu treten und noch gegen 23 Uhr im Nordwesten einen Hauch von Dämmerung zu sehen. Das muss man einem Südländer erstmal erklären: dass in nördlichen Breiten im Sommer die Nächte vom Norden her leuchten. Ich erinnere mich, dass ich [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Dies sind die Nächte, in denen ich Hamburg vermisse: die Erfahrung, nach dem Kneipenbesuch ins Freie zu treten und noch gegen 23 Uhr im Nordwesten einen Hauch von Dämmerung zu sehen. Das muss man einem Südländer erstmal erklären: dass in nördlichen Breiten im Sommer die Nächte vom Norden her leuchten. Ich erinnere mich, dass ich einmal viele Skizzen und den exemplarischen Einsatz einer Orange gebraucht habe, um das Phänomen verständlich zu machen. </p>

<p>Es liegen nur knapp vierhundert Kilometer Luftlinie zwischen Hamburg und Frankfurt, aber hier hat man dieses Problem schon nicht mehr. Hier ist selbst zur Sonnenwende um 10 Schluss mit der Dämmerung, und niemand kommt auf die Idee, über Himmelsrichtungen nachzudenken. Langweilig. Dann fährt man doch lieber richtig in den Süden, wo auch im Sommer die Nächte früh und plötzlich einfallen, und in der nachwirkenden Hitze des vergangenen Tages die Fledermäuse um die Straßenlaternen huschen.  </p>
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		<title>Grußbotschaft</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Apr 2010 13:08:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Announcements]]></category>

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		<description><![CDATA[Our chinese brothers and sisters (especially the sisters) are watching the ashflow-induced European situation with sympathy and growing concern. They send their sincere greetings and express the hope that by the end of next week we will still have enough milk, and green vegetables, and pork and beef, and honey and bread. 

Isn&#8217;t it good [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Our chinese brothers and sisters (especially the sisters) are watching the ashflow-induced European situation with sympathy and growing concern. They send their sincere greetings and express the hope that by the end of next week we will still have enough milk, and green vegetables, and pork and beef, and honey and bread. </p>

<p>Isn&#8217;t it good to know that there are still some friends out there who care?</p>
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		<title>re:publica Highlights</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Apr 2010 12:26:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Sports et divertissements]]></category>

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		<description><![CDATA[
The intoxicating visualizations in Peter Kruse&#8217;s presentation. Semantic and conceptual networks that moved and interwove like flashy galaxies of thought and culture, accompanied by Kruse&#8217;s hallucinatory up-tempo Beat Science prose;
My  post-talk interview with dcpt.tv that I proudly mastered - much better than the presentation itself - without too many Ähs and Errs (please acknowledge [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<ul>
<li>The intoxicating visualizations in <a href="http://www.youtube.com/results?search_type=&#038;search_query=peter+kruse&#038;aq=f">Peter Kruse</a>&#8217;s presentation. Semantic and conceptual networks that moved and interwove like flashy galaxies of thought and culture, accompanied by Kruse&#8217;s hallucinatory up-tempo Beat Science prose;
<li>My <a href="http://www.dctp.tv/#/republica-2010/republica-lorenz-meyer"> post-talk interview with dcpt.tv</a> that I proudly mastered - much better than the presentation itself - without too many Ähs and Errs (please acknowledge a faint trace of irony in my opening praise for the current state of political journalism in Germany);</li>
<li>The outrageously funny <em>penis episode</em> at the end of the first afternoon, when Melissa Gira Grant finished her talk on Internet and Sex by inviting the audience to a chat roulette experiment, to be displayed at the Friedrichstadtpalast main auditorium&#8217;s big screens. Within seconds she connected to a first masturbating male primate and after only a few short interludes to a second one, dully working his semi-erect member in close-up. He panicly retreated when she turned her notebook computer with its camera around and he suddenly noticed that he had done his thing in front of not just a seemingly patient and attractive blonde but also a cheering audience of more than 500;</li>
<li>The surprisingly moving, elegant talk by German cyberpundit Sascha Lobo, &#8220;How To Survive A Shitstorm&#8221;, dealing with the hateful and violent response that he frequently encounters on the Internet and even in real life, mostly due to his extrovert appearance and demeanor;</li>
<li>Some significant moment during late hours after sessions of Day Two, when a breathless Kathrin Passig stopped her bike at a Torstraße junction to give us directions to the next venue full of re:publicans, interrupted by a caller on her mobile whom she immediately greeted with his Twitter handle, &#8220;Hello mspro!&#8221;</li>
<li>The peculiar pastimes of my former journalist colleague Stefan Krempl, whom I hadn&#8217;t seen for many years. Stefan used to work for SPIEGEL&#8217;s Netzwelt department, among others, during the 90s, and subsequently taught cyberculture at the Viadrina University in Frankfurt/Oder. Now part of his occupation (besides still working regularly as heise&#8217;s Berlin cyber-chronicler) are night shifts as a very successful <a href="http://www.am-ende-des-tages.de/">party and celebrity blogger and photographer</a>;</li>
<li>The endearing ceremony at the end of Day Three, when some remaining 200 people cheerfully chanted Queen&#8217;s Bohemian Rhapsody in a collective Karaoke extravaganza while waiting for a Skype video conference between re:publica&#8217;s Johnny Häusler and Twitter&#8217;s Biz Stone (which never came about).</li>
</ul>

<p>Thanks to all the organizers and fellow participants for making the event everything you would expect from a proper re:publica, and so much more! </p>

<p>(There are a few pics on <a href="http://lorenzlm.posterous.com">Whatever</a>.)</p>

<p>PS: Did I mention the growing frustration on Jeff Jarvis&#8217; face when he tried to make sense of the unexpected subtleties in german humour during the twitter reading?</p>

<p>PPS: Originally I had written that Stefan&#8217;s &#8216;career path&#8217; had brought him to the &#8216;main occupation&#8217; of being a celebrity blogger. He has kindly pointed me to the fact that this is not quite true. I&#8217;m sorry for the distortion of reality and have corrected my mistake.</p>
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		<title>Shattered Tombstones</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Apr 2010 16:46:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Then]]></category>

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		<description><![CDATA[From 1899 until 1901, my Great-Grandfather Paul Jaeschke served as  the 2nd governor of the Kiaotschou, the short-lived german colony in China&#8217;s Shandong providence, now better known for its most important city, the 7m Olympic venue Qingdao, and for being the origin of the famous Tsingtao beer brand. After two years, Jaeschke, whose youngest [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>From 1899 until 1901, my Great-Grandfather Paul Jaeschke served as  the 2nd governor of the Kiaotschou, the short-lived german colony in China&#8217;s Shandong providence, now better known for its most important city, the 7m Olympic venue Qingdao, and for being the origin of the famous Tsingtao beer brand. After two years, Jaeschke, whose youngest daughter from first marriage, Editha, was to be my maternal grandmother, died from typhoid fever. During his short tenure, he imported a prefab wooden house from Germany, as well as a young girl from the german city Kiel, a childhood friend of his eldest son, to be his second wife. </p>

<p><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2010/04/jaeschkehouse480.jpg" alt="jaeschkehouse480" title="jaeschkehouse480" width="480" height="360" class="aligncenter size-full wp-image-560" /></p>

<p>For probably more dubious achievements, he also took part in the crushing of the 1900 Boxer uprising. The Chinese paid back for this (and Jaeschke&#8217;s generally not very favorable, prejudiced view of their people) by demolishing his and his fellow countrymen&#8217;s tombstones from the international cemetery during Cultural Revolution. Just recently remains of some of these tombstones have been found <a href="http://www.qingdaonese.com/qingdao-history-tombstone-news/">lining a ditch in a local Qingdao park</a>. </p>
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		<title>Talk Of The Town</title>
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		<pubDate>Fri, 29 Jan 2010 14:10:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Sports et divertissements]]></category>

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		<description><![CDATA[Floppen wird es mit Sicherheit nicht, Apples elegantes neues Tablet. Wem die Videodemonstrationen der super-smoothen Ergonomie des Geräts als Argument nicht ausreichen, der muss nur die begeisterten Erlebnisberichte derer lesen, die es schon in der Hand gehalten haben. Meinem Lieblings-Gadgetblogger Stephen Fry hat sein Gejubel sogar den Vorwurf der Korrumpierbarkeit eingebracht. Und Fry ist extrem [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://blog.kooptech.de/2010/01/warum-das-ipad-floppen-wird/">Floppen</a> wird es mit Sicherheit nicht, Apples elegantes neues Tablet. Wem die Videodemonstrationen der super-smoothen Ergonomie des Geräts als Argument nicht ausreichen, der muss nur die begeisterten <a href="http://www.9to5mac.com/node/13498">Erlebnisberichte</a> derer lesen, die es schon in der Hand gehalten haben. Meinem Lieblings-Gadgetblogger Stephen Fry hat <a href="http://www.stephenfry.com/2010/01/28/ipad-about/">sein Gejubel</a> sogar den <a href="http://www.stephenfry.com/2010/01/28/ipad-about/comment-page-2/#comment-20313">Vorwurf der Korrumpierbarkeit</a> eingebracht. Und Fry ist extrem kenntnisreich und keineswegs leicht zu überzeugen. Nein, das iPad ist ein tolles, cooles Produkt, das für einen Großteil künftiger Mediennutzung praktisch maßgeschneidert ist. </p>

<p>Was einen nur wieder ärgern kann, ist die übliche Apple-Masche, seine treuen Anhänger durch zwei, drei Updatezyklen zu jagen, bis das Produkt seine Reifephase erreicht hat und mit allen Features aufwartet, die in ihm bereits angelegt sind. Das ist vordergründig cleveres Business, aber es zeugt auch von einer tiefen Verachtung gegenüber den Kunden. Sympathisch ist mir dieser Laden immer noch nicht. Aber ich bin sicher, dass ich mir ein iPad kaufen werde - spätestens sobald es über (mindestens eine) Kamera und echtes GPS verfügt, multitaskingfähig ist, und man seine Dateien applikationsunabhängig verwalten kann. </p>
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		<title>Zwanzig Zehn</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 19:40:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Famous First Words]]></category>

		<category><![CDATA[Mind Works]]></category>

		<category><![CDATA[Online Publishing]]></category>

		<category><![CDATA[Social Engineering]]></category>

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		<description><![CDATA[2009 war für mich persönlich ein annus horribilis, das vor allem im Zeichen trauriger familiärer und privater Ereignisse stand. Gleichzeitig war es aber auch ein Jahr, in dem sich objektive, zeitgeschichtliche Prozesse mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt haben. Ereignisse wie die fortgesetzte Finanzkrise und die völlig inadäquate, hilflose Antwort der Politik auf diese [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>2009 war für mich persönlich ein <i>annus horribilis</i>, das vor allem im Zeichen trauriger familiärer und privater Ereignisse stand. Gleichzeitig war es aber auch ein Jahr, in dem sich objektive, zeitgeschichtliche Prozesse mehr und mehr in den Vordergrund gedrängt haben. Ereignisse wie die fortgesetzte Finanzkrise und die völlig inadäquate, hilflose Antwort der Politik auf diese globale Katastrophe. Oder die rabiaten Vorstöße der Unterhaltungs- und Medienbranche, staatliche Regulierungen zur Sicherung ihrer überholten Geschäftsmodelle durchzusetzen. Wiederum scheint es, dass die traditionellen politischen Verfahren nicht in der Lage sind, etablierter Wirtschaftsmacht die notwendigen Grenzen zu setzen, selbst dann, wenn diese strukturell mit dem Rücken zur Wand steht.</p>

<p><p>Christiane Schulzki hat gerade mit einem etwas weiteren historischen Fokus zurückgeblickt und von einem <a href="http://blog.kooptech.de/2009/12/der-datenschutz-und-das-verlorene-jahrzehnt/">&#8220;verlorenem, katastrophalen Jahrzehnt&#8221; des Datenschutzes</a> gesprochen. (Wo wären wir, wenn es nicht wenigstens die unerschrockenen Aktivisten von <a href="http://www.foebud.org/">Foebud</a> gäbe?) Ich würde noch einen Schritt weiter gehen und auch im Hinblick auf den Journalismus, zumindest hierzulande, von einem &#8220;verlorenen Jahrzehnt&#8221; sprechen. Trotz der Medienrevolution, die unzweifelhaft im Gange ist, fehlt es an Ideen, Impulsen, neuen Produkten und Artikulationsformen. Stattdessen allenthalben Erosion und Stagnation.</p>
<p>Mir scheint, wir <i>digital natives</i> haben uns viel zu sehr von den formalen Prozessen faszinieren lassen, von all den Moden oder Hypes der letzten Jahre, von Facebook, Blogs und Twitter, von den angeblich &#8217;sozialen&#8217; Medien, deren großes Potential uns allen so wichtig ist, dass wir darüber Manifeste verfassen und Hymnen singen. Gleichzeitig sind wir damit gescheitert, Anliegen zu identifizieren und zu entwickeln, für die es sich lohnt, diese Instrumente in Anschlag zu bringen. Obwohl diese Anliegen, wenn man genau hinschaut, auf der Straße liegen. Und es scheint niemand sonst mehr da zu sein, der sie sich wirklich zu eigen macht.<br /></p>
<span id="more-536"></span><p>Man denke nur an die vollständige Implosion der klassischen Sozialdemokratie, die nur in ihrem populistischen Zerrbild, der Linkspartei, noch überlebensfähig zu sein scheint. Die Krise der linken Politik wird wiederum nur deshalb so augenfällig, weil gleichzeitig das Modell, das meine Generation für deren legitimen historischen Nachfolger gehalten hat, nämlich die Bewegungspolitik beispielsweise der Grünen, ebenfalls auf sehr schlechte Weise gealtert ist. Dieser doppelte Niedergang hinterlässt eine gewaltig klaffende Lücke im politischen Feld. Da fällt es kaum noch ins Gewicht, dass auch die Liberalen aus ihrem ursprünglichen Portfolio praktisch nur noch das längst widerlegte Modell des Wirtschaftsliberalismus im Gepäck haben.<br /></p>
<p>Wir stehen also vor der Herausforderung, uns, um es mit einem grässlichen Modewort der späten 70er und frühen 80er Jahre zu sagen, wieder mehr &#8220;einzumischen&#8221;. Wir stehen vor der Herausforderung, aus unseren Anliegen so etwas wie ein politisches Programm zu machen und dazu die machtvollen neuen Instrumente zu nutzen, die die digitalen Medien uns zur Verfügung stellen.</p>
<p>Dazu benötigen wir zunächst einen informellen Wertekonsens, für den ich hier kaum mehr anzubieten habe als den zu Unrecht ins historische Off verbannten Begriff der Aufklärung. Mir scheint, die Idee von Säkularisierung, Freiheit und Demokratie ist ein brauchbarer Startpunkt, zumindest kenne ich keinen besseren.</p>
<p>Zugleich wird es nötig sein, den Blick über Partikularinteressen hinaus zu öffnen. So können wir natürlich nicht mehr in einem traditionellen Sinne Humanisten sein, also den Menschen ins Zentrum stellen, ohne die ökologischen Rahmenbedingungen unserer Gattung in Betracht zu ziehen. Wir können uns außerdem nicht mehr an Lösungsmodellen orientieren, die nicht auch den Gesichtspunkt der Generationengerechtigkeit im Blick haben.<br /></p>
<p>Wir müssen daher, und das gehört zu den größten Hemmnissen, den Individualismus überwinden, der uns in Fleisch und Blut übergegangen ist, und das alte Konzept der Solidarität wiederbeleben. <a href="http://tomgeoghegan.com/">Tom Geoghegan</a>, den ich für einen der wichtigsten politischen Denker der Gegenwart halte, hat schon 1991 ein vehementes Plädoyer für die gewerkschaftliche Organisation verfasst. Er weist den Vorwurf zurück, eine überholte, &#8217;sozialistische&#8217; Position zu vertreten, und argumentiert sehr überzeugend, dass das gewerkschaftliche Prinzip, nämlich: mit einem kollektiven Mandat in gesellschaftlichen Verhandlungsprozessen aufzutreten, unabhängig von jeder linken Ideologie eine notwendige Bedingung für Demokratie ist.</p>
<p>Der erste praktische Schritt für all dies ist die Reanimation einer politischen Öffentlichkeit, in der Ideen und Argumente als Ankerpunkte politischen Handelns bereitgestellt und gemeinsam weiterentwickelt werden. Wir brauchen, und damit komme ich zu meinem Wunschzettel für das Jahr 2010, einen neuen politischen Journalismus, einen politischen Journalismus, der sich mit seinen Themen und Anliegen öffnet für die Stimmen der Vielen und klugen Gebrauch macht von den Instrumenten der neuen Informationsgesellschaft.</p>
<p>Christiane hat bereits das Jahr 2010 zum <a href="http://blog.kooptech.de/2010/01/projekte-zu-open-data/">Jahr der Open Data</a> ausgerufen. Sie meint damit den Versuch, bereits existierende Datenbestände für die politische Willensbildung computergestützt auf eine bessere Weise nutzbar zu machen. Wir werden wahrscheinlich in Darmstadt mit einem studentischen Projekt und einer kleinen Fachtagung unseren bescheidenen Beitrag zu diesem Projekt leisten.</p>
<p>Aber &#8216;computer-assisted reporting&#8217; ist nur ein Mosaikstein auf dem Weg zu einer neuen, leistungsfähigeren politischen Öffentlichkeit. Gleichzeitig wünsche ich mir einen Journalismus, der Mut hat, Farbe zu bekennen und bestimmte Themen mit mehr Nachdruck zu verfolgen. Es wird Zeit, sich aus dem Schatten zu lösen, den H.-J. Friedrichs Diktum hinterlassen hat, Journalisten hätten sich mit keiner Sache gemein zu machen, auch nicht einer guten.</p>
<p>Ein Beispiel: Seit Jahren schwelt in Hessen eine Whistleblower-Affäre in der Frankfurter Finanzverwaltung. Die Behörde hatte sich auf höchst zweifelhafte Weise von einigen Steuerfahndern getrennt, die bei ihren Recherchen etwas zu genau in einige Frankfurter Bankhäuser geblickt hatten. Diese Affäre ist nun nach Jahren noch einmal ins Licht der Medien geraten, nachdem ein Gericht die psychiatrischen Gutachten, mit dem die zwei Hauptakteure ausgeschaltet worden waren, als sachlich unzutreffende Gefälligkeitsgutachten beurteilt hatte. Ohne die Hartnäckigkeit, mit der, wenn ich das richtig beobachtet habe, insbesondere die Kollegen von der <a href="http://www.fr-online.de/steuerfahnder/">Frankfurter Rundschau</a> diese Vorgänge in den letzten Wochen weiter verfolgt haben, wäre der Skandal jetzt erneut ohne jede politische Konsequenz versickert. (Ob es letztlich weitreichende politische Konsequenzen geben wird, ist allerdings weiterhin unklar.)</p>
<p>Natürlich soll dies kein Plädoyer für einen schlichten Kampagnenjournalismus sein. Recherchen müssen weiterhin ergebnisoffen geführt werden, und alle beteiligten Akteure sollten zu Wort kommen. Aber guter politischer Journalismus benötigt gelegentlich so etwas wie eine Agenda. Erst dadurch werden der notwendige Nachdruck und die Nachhaltigkeit der Recherche ermöglicht.<br /></p>
<p>Es wird letztlich darum gehen, professionelle journalistische Arbeit offensiv voranzutreiben, sie aber in einen weiteren gesellschaftlichen Diskurs einzubetten, an dem auch Experten, Aktivisten und normale Bürger beteiligt sind. Wir müssen Plattformen schaffen, die themenbasiert politische Fragestellungen bearbeiten, die Positionen verlinken und sichtbar machen und Diskussionen resultatorientiert vorantreiben. Christiane und ich haben schon vor ein paar Jahren einmal Konzepte für solche Plattformen diskutiert, doch getan hat sich seither höchstens etwas im Kleinen. <a href="http://blog.kooptech.de/">KoopTech</a> selbst oder <a href="http://www.netzpolitik.org/">Netzpolitik.org</a> sind Ansätze in dieser Richtung, oder Robin Meyer-Luchts heroische Anstrengungen im Bereich Medienpolitik mit <a href="http://carta.info/">Carta</a> (auch wenn ich mit Robins ungebrochen anti-öffentlich-rechtlicher Bias nicht einverstanden bin). Was weiterhin fehlt sind Projekte wie <a href="http://www.politico.com/">Politico</a> oder <a href="http://www.talkingpointsmemo.com/">TalkingPointsMemo</a> in den USA, die das harte Geschäft des (investigativen) politischen Journalismus ins Internet transponieren, oder Debattenplattformen wie <a href="http://www.guardian.co.uk/commentisfree">Comment is Free</a> vom Guardian, und natürlich vieles mehr, was möglich wäre.</p>
<p>Trotz allen berechtigten Spottes ist es nicht verkehrt, ein Jahr mit ein paar Wünschen und guten Vorsätzen zu beginnen. Ich wünsche mir, dass 2010 das Jahr wird, in dem in Deutschland die Anfänge eines neuen politischen Journalismus Gestalt annehmen, der von Inhalten bestimmt und mutig ist, und der dabei kreativen Gebrauch von sozialen digitalen Medien macht. Und mein guter Vorsatz besteht darin, mich an solchen Projekten nach Kräften zu beteiligen. Von privaten Verlegern haben wir dabei wohl kaum Unterstützung zu erwarten. Aber ich denke, es geht auch ohne sie.</p></p>
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		<title>Whatever</title>
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		<pubDate>Sat, 09 Jan 2010 15:25:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Pointers]]></category>

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		<description><![CDATA[Da es nun schon eine Zeitlang läuft und mir weiterhin Freude bereitet, kann ich wohl riskieren, auf das Fotoblog &#8220;Whatever&#8221; hinzuweisen, in dem ich seit ein paar Wochen visuell Tagebuch führe - ohne Kommentierung oder größeren Anspruch. Fast alle Bilder dort sind mit meinem iPhone 3GS aufgenommen und auch auf dem iPhone bearbeitet.

Für diejenigen, denen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Da es nun schon eine Zeitlang läuft und mir weiterhin Freude bereitet, kann ich wohl riskieren, auf das <a href="http://lorenzlm.posterous.com">Fotoblog &#8220;Whatever&#8221;</a> hinzuweisen, in dem ich seit ein paar Wochen visuell Tagebuch führe - ohne Kommentierung oder größeren Anspruch. Fast alle Bilder dort sind mit meinem iPhone 3GS aufgenommen und auch auf dem iPhone bearbeitet.</p>

<p><p>Für diejenigen, denen sowas Spaß macht, hier die Apps, die ich verwende:</p>
<ul>
  <li>PhotoForge - zum Beschneiden, für die RGB-Level, für Helligkeit, Farbsättigung und Kontrast etc.</li></p>

<p><li>TiltShiftGen - Fokuseffekte durch Vignettierung und Unschärfe</li></p>

<p><li>Camerabag - für einige standardisierte Bearbeitungsfilter, inbesondere für exzellente Schwarzweißversionen</li></p>

<p><li>ZoomLens - ein digitaler Zoom, der durch seine Extrapolationsverfahren Resultate generiert, die wie gemalt wirken</li></p>

<p><li>TrueHDR - sehr rudimentäres High Dynamic Range</li></p>

<p><li>ColorSplash - lustige Kombinationen von Farbe und Schwarzweiß</li>
</ul>
<p>Ich bin sowohl was Fotografie, als auch was Bildbearbeitung angeht, ein kompletter Analphabet. Zu entdecken, wie einfach es ist, mit dem iPhone einigermaßen interessante Bilder zu produzieren, war für mich das eigentliche Weihnachtsgeschenk des letzten Jahres.</p><br /></p>
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		<title>Mother</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Dec 2009 20:15:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Lorenz Lorenz-Meyer</dc:creator>
		
		<category><![CDATA[Unsorted]]></category>

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		<description><![CDATA[
92 years old, hemiplegic and without the capacity for speech for nearly eight years now, but still kicking ass&#8230;
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			<content:encoded><![CDATA[<p><img src="http://www.scarlatti.de/wp-content/uploads/2009/12/mother.jpg" alt="mother" title="mother" width="480" height="360" class="aligncenter size-full wp-image-523" />
<p>92 years old, hemiplegic and without the capacity for speech for nearly eight years now, but still kicking ass&#8230;</p>
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